Amazonas

Ins Herz des Amazonas – Zwischen Magendarm, Mücken und Magie 

Nauta – die letzte Stadt vor dem unendlichen Grün. Hier endet die Straße. Ab hier beginnt der Dschungel. Die Hitze liegt schwer in der Luft, die Gassen stauben und wir sind sehr früh aufgestanden – mein Vater liegt flach. Magendarm. Ein denkbar ungünstiger Moment, denn unser Boot wartet schon. Wir gehen zur Apotheke und holen nochmal etwas in der Hoffnung, dass er die Fahrt auf dem Boot übersteht, ohne auf Klo zu müssen. 

Das Wasser des Flusses ist viel höher als bei meinem letzten Besuch. Ganze Bäume stehen unter Wasser, die Ufer sind überflutet, und der Amazonas hat sich sein Land zurückgeholt. Es ist Regenzeit – und das merkt man in jedem Atemzug. Am Ufer stehen Männer knietief im braunen Wasser und schrubben ihre Mofas direkt im Fluss – als wäre es das Normalste der Welt. Wahrscheinlich ist es dort das Normalste auf der Welt. Für mich war es dieser Moment bewundernswert und lustig. 

Ein schmales Holzboot, sechs Menschen und der Ruf der Wildnis 

Mit meinem Papa, unserem Guide Daniel, dem Fahrer Roman und zwei anderen sitze ich auf dem langen, schmalen Boot. Es ist gerade breit genug, um nebeneinander zu sitzen – ohne sich zu berühren, wenn man Glück hat. Unser Ziel: das geschützte Gebiet von Pacaya Samiria, ein Labyrinth aus Flussarmen, Seen und grünem Leben. Ich fühle mich direkt wohl und angekommen. Ein bisschen Angst bleibt trotzdem, denn 5 Tage können echt lang sein. 
Die Fahrt dauert Stunden. Vorbei an dichten Baumkronen, aus denen Schreie der Brüllaffen hallen, vorbei an kleinen Häusern auf Stelzen, die aus dem Nichts auftauchen – und genau so schnell wieder verschwinden. Der Fluss ist das einzige Navigationsmittel, der Kompass unser Guide Daniel. 

Natur pur

Ich liebe diese Welt. Ihre Wildheit. Ihre Stille. Und doch ist nicht alles leicht und schön. Ich bekomme meine Periode – natürlich genau jetzt an Tag 2 morgens. Es gibt kein Bad, keine Rückzugsmöglichkeit, kein fließendes Wasser. Nur mich, ein paar OB'S, eine Tüte, Feuchttücher, ein schwankendes Boot und der Dschungel. Privatsphäre? Fehlanzeige. Und trotzdem: Ich funktioniere. Irgendwie. 

Es ist verrückt, was man alles kann, wenn man muss. Vor allem, wenn die „Toilette“ an diesem und dem nächsten Tag schlichtweg unser Boot ist. Es gibt zwei Boote: eines mit Dach, das auch unser Gepäck trägt – und ein zweites, kleines Floß, aus Metall. Hiermit sind wir tagsüber und Abends immer unterwegs, wenn es tief in den Dschungel geht und man sich an den Bäumen abstoßen muss, um mit dem Boot voran zu kommen.

Trotz allem – oder vielleicht gerade deswegen – sind es genau diese Tage, die sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Der Abend, an dem wir im Zelt eingeschlafen sind, während wir mitten im Dschungel auf einem einfachen Floß schliefen, das im Wasser gebaut wurde. Kein Motorengeräusch, keine Zivilisation – nur das leise Gluckern des Flusses und die nächtlichen Geräusche im Regenwald. 

Ich erinnere mich an die Delfine, die plötzlich neben dem Boot auftauchten – graue und rosafarbene, süß, verspielt und geheimnisvoll. Oder an die Affenfamilien, die wir in den Baumwipfeln beobachten konnten – wie sie miteinander spielten, sich putzten, manchmal neugierig zu uns herunterschauten.

Dann gab es Momente, in denen mir alles zu viel war– die Enge, die Hitze, die Geräusche, das Nicht-allein-sein-Können. In der Dunkelheit, nur vom schwachen Licht meiner Stirnlampe begleitet, sah ich plötzlich vier Spinnen direkt über mir. In diesen Momenten fühlte ich mich ausgeliefert, schwach, überfordert. Aber genau da, mitten in der Überforderung habe ich wieder gefühlt, wie nebensächlich viele Dinge sind. 
Wie kostbar ist es, dass ich so eine Reise ERNEUT machen kann? Wie unvergesslich, dass ich meinen Papa mitnehmen konnte. Diese Momente wird uns niemand mehr nehmen und wir werden sie nie vergessen. 

Schützt die Erde. 

Wir haben nur diese eine. 

 

Ich durfte schon zweimal den Amazonas in Peru besuchen– ein Ort, der mich tief berührt hat. Die Geräusche, die Luft, das Licht, das Leben dort sind unbeschreiblich – und gleichzeitig leider bedroht. 

Wilderness International schützt genau diesen Regenwald: konkret, transparent und dauerhaft. Mit nur 1 € schützt du 1 m² Regenwald – für immer! 

Diese Reise war fordernd, abenteuerlich, anstrengend und wunderschön. Ich bin dankbar und glücklich zurück nach Lima gereist. Ich habe viele kleine Abenteuer und Mückenstiche im Gepäck und die nächsten Wochen Träume.
Fast jede Nacht träume ich, dass ich auf dem kleinen Boot bin. Eine Nacht bin ich sogar aufgewacht und dachte, dass die Deckenleuchte im Hotel der Mond ist. :D
So eine Reise ist toll, muss dann aber erstmal verarbeitet werden. #hochsensibel 

Dinge...

die ich mag:

  • Dass im Amazonas die Welt so ist, wie sie erschaffen wurde.
  • Die abenteuerlichen Momente, wie z.B. ein kleiner Kaiman in meinen Händen, oder eine Schlange. 
  • Die Menschen, weil sie so dankbar sind, für das, was sie haben.
  • Morgens aufwachen direkt Affen sehen und hören. 
  • Füße vom Boot hängen lassen und während der Fahrt das Wasser immer wieder streifen. 

die ich nicht mag:

  • 5 Tage auf einem Boot mit 6 Menschen.
  • Insekten und ganz besonders Spinnen.
  • Jeden Tag Reis und Ei.

 

Hast du weitere Fragen zu meiner Reise in den Regenwald?

Sprich mich gerne beim Shooting an. 

Aus dem Film: Pocahontas 

Lausche mit dem Herz, dann wirst du verstehen. 

Lass den Weg dir weisen, von den Wellen, die vergehen.